Helmut Richter trainiert derzeit die 1. Herren in der 2. Regionalliga Nord
Helmut Richter trainiert derzeit die 1. Herren in der 2. Regionalliga Nord
18. November 2020

Courtside ... mit Helmut Richter

Heute geht es weiter mit unseren Fragen am Spielfeldrand. Dort treffen wir diesmal Helmut Richter, der als Coach der 1. Herren ohnehin recht häufig Courtside anzutreffen ist.

Helmut Richter, 77, ist da. In der Halle. Aktiv. Am Spielfeldrand der 1. Herren steht er, in der charakteristischen schwarzen Lederweste und mit dem charakteristischen Schal und lenkt mit all der Wucht langjähriger Basketballerfahrung den Spielverlauf in ruhiger Tonart. Nur manchmal, wenn's mal gar nicht läuft, wie er es geplant hat, übertönt seine Stimme die Hallenakustik. 
Angefangen hat alles im Jahr 1960:  Im Bremer BC spielte Helmut Richter bis in die damals höchste Liga, der 1. Regionalliga, hinein (1964/65 als Spieler-Trainer).
In dieser Zeit war er auch  Bundeswehr-Nationalspieler. Und nicht nur das: Er  war einmal A- und mehrmals B-Nationalspieler. Doch dann wurde ihm das damals strenge Regiment dort zu viel - und er warf freiwillig das Handtuch. 

Mit dem SV St. Georg Hamburg stieg der passionierte Basketballer 1970 als Spieler für ein Jahr in die zweigeteilte 1. Bundesliga auf.  Danach war er zwei Jahre im WSV und stieg anschließend mit seiner Jugendmannschaft des BC Johanneum als Spielertrainer aus der Oberliga bis in die 2. Bundesliga Nord auf. 1986 schließlich schloss sich Helmut erneut dem WSV an, diesmal als Spieler- und Jugendtrainer. Dort stieg er mit den 1. Herren aus der Bezirksliga bis in die 1. Regionalliga auf und war, 60 Jahre jung, Spielertrainer in der Oberliga. Aber auch danach war nicht etwa mal das heimische Sofa am Abend eine denkbare Alternative, nein: Vielmehr ging's dann als Spielertrainer mit seiner Jugendmannschaft in den 3. Herren weiter.
Und damit ist Helmuts Basketball-Vita noch längst nicht zu Ende - denn aktuell, bereits im dritten Jahr, agiert er als Trainer unserer 1. Herren in der 2. Regionalliga Nord.

Vor der Corona-Pandemie, 2019, nahm er übrigens noch an der Ü-70-Weltmeisterschaft in Helsinki teil. Seine Teilnahme an der diesjährigen Europameisterschaft in Malaga und an der Weltmeisterschaft in Orlando scheiterte bisher allein an Corona. Um im Spiel zu bleiben, bis die verschobene Europa- und die ebenfalls vertagte Weltmeisterschaft tatsächlich stattfinden können, trifft man Helmut  überdies noch einmal in der Woche im WSV-Betriebssportliga-Team unter dem Korb. Da zeigt er dann mitunter seinen jüngeren Mit- und Gegenspielern, wer taktisch und konditionell die Basketballhosen anhat.
 

Wann hattest Du zum ersten Mal einen Basketball in der Hand - und wann wurde Dir klar, dass Du ihn nie wieder (freiwillig) aus der Hand geben würdest?

Mit 16 Jahren im Schulsport – wo mir mein Sportlehrer riet, ich sollte das doch im Verein machen: dem Bremer Basketball Club. (Zu der Zeit war ich kein wirklich guter Fußball-Torwart, wollte lieber Handball-Nationalspieler werden, aber es gab in meinem Verein keine Mannschaft.)

Was war Deine prägendste Basketball-Erfahrung?

Meine 3 (Spieler-)Trainer: Jürgen Lippert (vorher Deutscher Meister mit Alemania Aachen) in Bremen, Eli Aramann (50-facher ägyptischer Nationalspieler) in Hamburg, Dieter „Nudel“ Niedlich (50-facher dt. Nationalspieler) in der Hamburger Uni-Mannschaft, mit der wir in den 1960er-Jahren zweimal dt. Vizemeister wurden. Die Teilnahme an der Bundeswehr-Weltmeisterschaft in Damaskus im Jahre 1964.

Aktuell trainierst Du unsere 1. Herren in der 2. Regionalliga Nord. Wann reifte damals die Entscheidung heran, Trainer zu werden - und was treibt Dich heute noch an?  

Ich war schon in Bremen Spielertrainer der Regionalliga-Mannschaft, habe in Hamburg immer Jugendmannschaften trainiert und mit den Jugendlichen dann in den Herren als Spielertrainer gespielt – mit dem BC Johanneum bis in die 2. Bundesliga hinauf. Heute treiben mich meine Jungs an, die ich als Jugendliche noch 3 Jahre trainiert habe – und meine von mir auch trainierten Söhne.

Inwiefern hat sich Basketball aus Deiner Sicht als langjähriger Spieler und als heute noch aktiver Trainer verändert?

Es ist erheblich schneller und körperlicher geworden, aber es geht immer noch nichts ohne eine gute Grundschule und vortaktische Schulung.

Was würdest Du Dir für die Jugendarbeit und für die zukünftige Ausrichtung der Abteilung wünschen?

Möglichst viele der in den 1. Damen- und Herrenmannschaften Spielende sollten das, was sie im Verein gelernt haben, als Jugendtrainer zurück- und weitergeben. Wahrscheinlich werden wir zukünftig nicht ohne hauptamtlich zumindest auf halber Stelle tätige Trainer* auskommen, aber sie sollten möglichst aktive Mitglieder im Verein sein und perspektivisch im Verein bleiben wollen.

Wie sähe ein Leben ohne Basketball für Dich aus ...?

Das habe ich schon über Jahre ganz gut hinbekommen; denn es fehlt mir nicht an Familie und Arbeit, aber dann fehlte mir doch – die Mannschaft.